Forschen im Noctalis

Die Fledermaus-Forschung im Noctalis wird geleitet von Florian Gloza-Rausch, Diplom-Biologe und Geschäftsführer von Noctalis. Verschiedenen Projekte, zusammen mit dem Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn unter Leitung von Professor Christian Drosten, führten die Noctalis-Forscher schon nach Rumänien, Bulgarien und Westafrika.

Noctalis_Eine Hand im Lederhandschuh haelt eine beringte Fledermaus, ihre duenne Flughaut wird mit einer Taschenlampe angeleuchtet und untersucht

 

Bad Segeberg, 19. November 2017

Gemeinsames Forschungsprojekt:

Knochen, Spucke und viel Engagement – Moderne Methoden aus Kriminaltechnik, Rechtsmedizin und Forensischer Genetik als Chance für die Fledermausforschung

Das Fledermaus-Zentrum Bad Segeberg und ForGen – Forensische Genetik und Rechtsmedizin am Institut für Hämatologie GmbH aus Hamburg wollen gemeinsam die Erbsubstanz subfossiler Fledermausknochen aus der Segeberger Kalkberghöhle untersuchen und minimal invasive Techniken zur Gewinnung genetischen Materials lebender Fledermäuse erproben.

Auch in der Fledermausforschung braucht man manchmal einfach die nötige Geduld, bis für eine spannende Fragestellung die richtige Untersuchungsmethode entwickelt wird. Im Falle der Knochenablagerungen im Höhlensystem der Segeberger Kalkberghöhle scheint die Zeit nun gekommen zu sein. Mit einem von Frau Dr. von Wurmb-Schwark, Herrn Dr. Modrow und weiteren KollegInnen entwickelten speziellen Multiplex-Assay könnte den wahrscheinlich viele hundert Jahre alten Fledermausknochen ein Teil ihrer geheimnisvollen Geschichte entlockt werden. Dazu werden ähnlich wie zur Analyse von Vaterschaftsfällen und Spuren beim Menschen nur geringste Mengen von Erbmaterial benötigt. Diese Methode erbringt nicht nur in der Kriminalistik erstaunliche Beweise, sondern könnte auch wertvolle Einblicke in die Vergangenheit des Fledermaus-Winterquartiers Segeberger Kalkberghöhle ermöglichen und wertvolle Hinweise für den Schutz streng geschützter Fledermausarten wie der Bechstein- oder der Teichfledermaus im Einzugsbereich der Segeberger Kalkberghöhle liefern.

Aber warum interessieren sich Spurenanalytiker aus dem Labor für Fledermäuse? „Als Schleswig-Holsteiner, gebürtiger Bad-Segeberger und Batman-Fan ist es etwas ganz Besonderes für mich, unsere rechtsmedizinisch-genetische Kompetenz für die Segeberger Fledermäuse einsetzen zu können“, sagt Dr. Jan-Hendrik Modrow, der Tierexperte von ForGen, der zusammen mit seiner Kollegin, Frau Dr. Nicole von Wurmb-Schwark, Leiterin des Hamburger Labors und der Segeberger Biologin Patricia Bulang vom Fledermaus-Zentrum die Geheimnisse rund um die Vorfahren der heute rund 25.000 in der Höhle überwinternden Fledermäuse erforschen möchte. Frau Bulang wird dazu im Rahmen ihrer weiteren Ausbildung als Biologin den Hauptteil der Arbeiten im Labor durchführen.

Neben dem subfossilen Knochenmaterial sollen auch die lebenden Fledermäuse  mit einem angepassten Assay ähnlich wie im Rahmen eines Massengentest zur Täteridentifizierung beim Menschen untersucht werden. Dabei dient das Sammeln von Speichel zur Gewinnung genetischen Materials mit einem speziellen  Wattestäbchen – ähnlich dem Mundschleimhautabstrich beim Menschen-  natürlich nicht der Strafverfolgung, sondern wird als harmlose, also nicht invasive Methode für populationsgenetische Untersuchungen bei den Fledermäusen etabliert.

Auf diese Weise können Vergangenheit und Gegenwart miteinander vergleichen werden.  Die für die Untersuchung nötigen Reagenzien, wie die spezifischen „Fledermaus-Primer“, ohne die die genetischen Analysen im Labor nicht durchgeführt werden können, werden durch einen Spender finanziert, der namentlich nicht genannt werden möchte.

„Ich bin begeistert von dem großen Engagement, das alle Beteiligten in dieses Vorhaben einbringen und sehe den ersten Ergebnissen voller Spannung entgegen“, freut sich Florian Gloza-Rausch, Ausstellungsleiter und wissenschaftlicher Geschäftsführer der Fledermaus-Zentrum GmbH.

Infos auch unter www.facebook.com/forgenhamburg/

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Die Entnahme einer Speichelprobe ist für Fledermäuse absolut harmlos und ermöglicht den
Fledermausforschern durch die im Speichel enthaltenen Mundschleimhautzellen die Gewinnung des genetischen Fingerabdrucks verschiedener Fledermausarten.
Foto: Florian Gloza-Rausch

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Patricia Bulang bei der Arbeit. Foto: Florian Gloza-Rausch

 

Fledermaus-Zentrum entdeckt große Anzahl seltener Bechsteinfledermäuse in der Segeberger Kalkberghöhle

Juni 2012

Bad Segeberg. Das Fledermaus-Zentrum Bad Segeberg hat in Kooperation mit dem Land Schleswig-Holstein eine Studie über die Zusammensetzung der Winterschlafpopulation in der Segeberger Kalkberghöhle durchgeführt. Die Auswertung der Daten ergab, dass im deutschlandweit wichtigsten Winterquartier für Fledermäuse mehr als 500 Individuen der Bechsteinfledermaus überwintern. Im Frühjahr 2011 hat die Noctalis-Fledermausforschung den Abflug der Fledermäuse aus dem Winterquartier Segeberger Kalkberghöhle mit Hilfe eines fotografischen Erfassungssystems untersucht. Dieses System wurde von dem Biologen Karl Kugelschafter eingeführt, der in Bad Segeberg bereits ein Lichtschrankenerfassungssystem entwickelt hat, mit dem seit über 20 Jahren die Gesamtaktivität aller Fledermausarten an der Kalkberghöhle untersucht wird. Mit dieser Technik konnte beispielsweise die stetige Zunahme der Winterpopulation auf bis zu 22.000 Tiere dokumentiert werden. Das im vergangenen Jahr in Bad Segeberg eingesetzte System gilt als  Weiterentwicklung der bereits etablierten Lichtschrankentechnik. Mit dieser Neuerung wurde es möglich, von rund einem Drittel der abwandernden Fledermäuse ein Digitalfoto zu erstellen, mit dessen Hilfe die Artzugehörigkeit der abwandernden Fledermäuse bestimmt werden konnte. Die Auswertung des Datensatzes von mehr als 7000 Fotos erbrachte jetzt neue faszinierende Erkenntnisse über die  Populationszusammensetzung und das Verhalten der Fledermäuse am wichtigsten Fledermauswinterquartier in Deutschland. „Mit diesen Zahlen haben wir wirklich nicht gerechnet“, sagt der Diplombiologe Florian Gloza-Rausch, Geschäftsführer des Fledermaus- Zentrums, der die Studie zusammen mit dem Biologen Karl Kugelschafter durchgeführt hat. „Wir zeigen hier, welche große Bedeutung die Segeberger Kalkberghöhle für die Norddeutsche Population der Bechsteinfledermaus besitzt. Das war bisher so nicht bekannt.“, erläutert Gloza-Rausch weiter. Die Fledermausforscher des Fledermaus-Zentrums wollen künftig die Landschaft im Umkreis der Segeberger Höhle näher untersuchen, um weitere Sommerlebensräume dieser besonders geschützten Fledermausart zu finden. Sie hoffen dabei auch auf die Unterstützung des Bundes, der im Rahmen von Förderprogrammen Projekte zur Erforschung und zum Schutz seltener Fledermausarten unterstützt.

 

„Abenteuer Forschung - von Afrika bis Transsilvanien“

Herbst 2012

Die Noctalis-Forschung lädt zur Erlebnisreise in die Welt der Fledermäuse ein. Einen besonders spannenden Einblick in die Forschung bietet die Sonderausstellung „Abenteuer Forschung von Afrika bis Transsilvanien“. Noch bis Ende März 2013 zeigt das Noctalis erstmals das Beste aus 25 Stunden exklusivem Filmmaterial aus der Fledermaus-Forschung. Auf packende Weise werden Besucher in der multimedialen Sonderausstellung in die Welt der Flattermänner entführt. In zwei Kinos und zehn Erlebnis-Stationen werden die Filme aus der Forschung gezeigt.

Foto: Florian Gloza-Rausch

 

Fledermäuse sind mehr als eine Touristenattraktion - Fledermaus-Zentrum als Partner der medizinischen Spitzenforschung

April 2012

Eine internationale Forschergruppe, unter Beteiligung des Fledermaus-Zentrums Bad Segeberg, legt weltweit beachtete Ergebnisse zum Ursprung menschlicher Infektionskrankheiten vor. Das Fledermaus-Zentrum Noctalis in Bad Segeberg ist seit dem Jahr 2007 Partner des Virologen Prof. Dr. Christian Drosten, der als Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Bonn zu den weltweit führenden Wissenschaftlern dieses medizinisch hoch relevanten Fachbereiches zählt. Unter seiner Federführung wird heute eine Studie im renommierten Online-Journal Nature Communications publiziert, in der Fledermäuse als Ursprung mehrerer bedeutender Infektionskrankheiten, wie Masern, Mumps, Lungen- und Hirnhautentzündungen, sowie einer Reihe von Erkältungskrankheiten beschrieben werden.  Dazu wurden über 9.200 Proben von Fledermäusen und Nagetieren auf Vertreter der Virusfamilie Paramyxoviridae untersucht. Dabei konnten 66 neue Viren identifiziert und die Anzahl der bisher beschriebenen Arten verdoppelt werden. > Pressemitteilung als Download

 

Ausgewählter Ort 2010

Die Noctalis-Forschung war 2010 „Ausgewählter Ort” im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen”, der gemeinsam von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen” und der Deutschen Bank durchgeführt wird. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten rückt der Wettbewerb Unternehmen, Vereine und andere Institutionen in den Mittelpunkt, die die Zukunft Deutschlands aktiv gestalten. Als „Ausgewählter Ort” ist das Noctalis Botschafter für das Land der Ideen und repräsentiert das Innovationspotenzial Deutschlands.

 

50 Millionen Jahre alt

Fledermäuse gab es bereits vor mehr als 50 Millionen Jahren. Sie sind damit ein wahres Erfolgsmodell der Evolution. Was macht sie so widerstandsfähig? Was können wir von ihnen lernen? Die Fledermausforschung liefert wichtige Informationen in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Medizin und Virologie.

 

 

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